Konflikt- und Verhandlungstaktik 

Ich habe es mir angewöhnt, auch schon in den vorgerichtlichen Schriftsätzen die Rechtslage, so wie sie sich aus meiner Sicht darstellt, ziemlich ausführlich darzustellen. Wenn es nicht zur Klage kommt, weil die Gegenseite einsieht, schlechte Karten zu haben, ist dem Mandanten am meisten geholfen. Der Rechtsanwalt kommt so zwar nicht so seiner Terminsgebühr. Aber zum einen darf dies kein Grund sein, einen Prozess zu provozieren, in welchem man dann erst sein Pulver verschießt. Zum anderen kann überzeugender Vortrag auch den Willen zu Vergleichsverhandlungen beflügeln, zumal die Gegenseite so besser ihr Gesicht wahren kann. Und dafür gibt es ja ebenfalls eine (Einigungs-)Gebühr.

Von der alternativen Strategie, die rechtlichen Argumente so lange wie möglich in der Hinterhand zu haben, damit die Gegenseite bis zur Verhandlung ahnungslos bleibt, halte ich also nichts, zumal das dem Prozessförderungsgrundsatz widerspricht und Gerichte frühzeitig gegen die eigene Partei in Stimmung bringen kann.